Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder, Jugendliche und Familiensysteme

Autorin: Manuela Scharner, Psychotherapeutin


Die Pandemie dauert nun bald zwei Jahre. Es gibt so vieles, dass sich in dieser Zeit verändert hat. Zuvor undenkbare Situationen haben sich entwickelt. Psychische Belastungen sind teilweise zu einem Dauerzustand geworden. Immer mehr Kinder, Jugendliche und ganze Familiensysteme sind massiv belastet und psychisch beeinträchtigt. Familien erleben Gefühlsschwankungen zwischen Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Überforderung. Die Unsicherheit der Situation und das nicht vorhersehbare Ende sind Realität.

Es wird zunehmend sichtbar, welche Spuren und Belastungen diese Zeit bei Kindern, Jugendlichen und Familiensystemen bis jetzt hinterlassen hat.


Welchen Bedingungen waren und sind junge Menschen ausgesetzt?

Vieles musste trotz Schulschließungen, distance learning und Lockdowns bewältigt werden. Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen waren nicht immer optimal. Mangelnde Motivation, mit eigenen Problemen alleine gelassen zu werden und verminderte Selbstwertgefühle sind nur einige der Konsequenzen. Geblieben ist womöglich eine Unlust, in die Schule, Uni/Ausbildung zu gehen oder diese überhaupt fortzuführen.

Durch fehlende soziale Kontakte zu Gleichaltrigen ist eine altersadäquate Entwicklung eingeschränkt. Plötzlich waren Kinder und Jugendliche nicht mehr Teil einer Klassengemeinschaft oder Gruppe. Fehlende Stabilität und Sicherheit sowie soziale Isolation haben weitreichende Spuren hinterlassen.

Wie können sich Belastungen bei Kindern und Jugendlichen zeigen?

  • Ängste
  • Depressionen
  • gestörtes Schlafverhalten
  • Panikattacken
  • selbstverletzendes Verhalten, suizidale Gedanken oder erfolgte Suizidversuche

Gab es bereits vor der Pandemie psychische Belastungen, so hat sich die Situation oftmals verschlechtert.


Welche Auswirkungen auf Familiensysteme haben sich ergeben?

Abgesehen von der Grundsatzfrage, wie Kinderbetreuung organisiert und realisiert werden konnte, haben sich weitere Themen ergeben. Eine Vermischung zwischen Arbeits- und Familienleben bei jenen, die vorwiegend im Homeoffice tätig waren oder sind. Für Menschen, die dies nicht konnten, eine zusätzliche organisatorische Herausforderung, da auf bewährte UnterstützerInnen wie Großeltern, Verwandte oder Freunde etc. nicht mehr zurückgegriffen werden konnte.

Die eigenen Kinder zu unterrichten oder dafür Sorge zu tragen, dass Aufgaben und Lernziele erfüllt werden, kann schnell zu Konflikten führen. Missverständnisse, aggressives Verhalten und Kränkungen folgen und wirken sich negativ auf das familiäre Zusammenleben aus. Es entsteht unweigerlich die Frage, wie es so weit kommen konnte, dass man sich nicht mehr miteinander unterhalten kann. Sich gegenseitig nicht mehr versteht oder wiedererkennt. 

Wenn Eltern nicht mehr zu ihren Kindern durchdringen, da sich diese verschließen, unbekannte Verhaltensweisen zeigen oder einfach von zu Hause abhauen, werden Verzweiflung und Sorgen immer größer. Trotz alledem heißt es für Erwachsene weiterzumachen, zu funktionieren, ihre Aufgaben zu erfüllen. Auch wenn es noch so viel Anstrengung erfordert. 


Die Sehnsucht nach Normalität ist groß.

Sich in besonders belastenden Ausnahmesituationen Hilfe zu holen ist sinnvoll.


Manuela Scharner
Psychotherapeutin


Mehr Corona-Spätfolgen bei Jugendlichen erwartet

Auch wenn SARS-CoV-2-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen meist sehr mild oder ohne Symptome verlaufen: Experten erwarten eine Zunahme der Spätfolgen. Bis es einen Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche geben wird, dauert es wohl noch. Immerhin haben jetzt wohl auch Biontech und Pfizer eine Studie bei Kindern ab sechs Monaten gestartet.

Mit der Zunahme der Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen sind nach Einschätzung eines pädiatrischen Infektiologen auch mehr Spätfolgen in diesen Gruppen zu erwarten. «Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen», sagte Professor Dr. Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg der Deutschen Presse-Agentur. «Darauf ist die Pädiatrie im Vergleich zur Versorgungssituation bei Erwachsenen nach überstandener Infektion noch nicht vorbereitet.»

Der ganze Artikel auf www.pharmazeutische-zeitung.de/mehr-corona-spaetfolgen-bei-jugendlichen-erwartet

psychotherapeutin manuela scharner

Manuela Scharner

Psychotherapeutin i.A.u.S.

"Long Covid bei Kindern und Jugendlichen"

Nähere Informationen

www.psychotherapie-scharner.at